Behandlung mit Psychopharmaka

Psychische Probleme haben viele Ursachen und eine erfolgreiche Behandlung erfordert meist mehrere Therapieformen. Eine Möglichkeit sind Psychopharmaka. Je schwerer psychische Probleme sind, desto besser helfen Medikamente. Es gibt Menschen, die reagieren hervorragend auf Psychopharmaka. Ein typisches Beispiel sind Antidepressiva bei Depressionen. Ich informiere Sie nach einer umfassenden psychologisch-psychiatrischen Abklärung über alle angezeigten Therapieformen und ihre Nebenwirkungen. Patienten verlassen meine Sprechstunde nie nur mit einem Medikament. Eine Psychotherapie, unterstützende psychiatrische Gespräche oder Vorschläge für soziale Massnahmen sind Bestandteil der Behandlung. Über 90% meiner Patienten sind nach einer mehrmonatigen Behandlung wieder fähig ihr Leben selbständig zu bewältigen und zu geniessen.


Jede und jeder braucht eine individuelle Pharmakotherapie.

Die Psychiatrie verfügt heute über eine ganze Palette von Psychopharmaka, die massgeschneidert ausgewählt werden. Manchmal müssen mehrere Medikamente getestet werden, bis das geeignete gefunden wird. Bei jedem Patient, bei dem ein Psychopharmakon notwendig ist, wird ein Medikament gesucht, das optimal wirkt und möglichst keine Nebenwirkungen bewirkt. Die Psychopharmaka werden im Laufe einer Therapie immer wieder angepasst: So wenig und so kurz wie notwendig, aber so viel wie es zur optimalen Wirkung braucht. Folglich stelle ich keine Dauerrezepte aus, weil die Dosis und das Medikament oft immer wieder angepasst werden müssen. Bei einigen Patienten lohnt sich auch eine Kombinationsbehandlung.

Psychopharmaka können helfen, das Hirn wieder fit zu machen.

In der Forschung von Psychopharmaka sind in den letzten Jahrzehnten enorme Fortschritte erzielt worden. Lassen Sie sich nicht von Vorurteilen oder falschen Informationen beeinflussen. Psychologische, soziale und biologische Faktoren stehen nicht im Gegensatz zueinander. Sie ergänzen sich und sind aufs Engste miteinander verflochten. Die Behauptungen, Medikamente würden nur die Probleme zudecken oder einen Menschen dämpfen oder die Persönlichkeit verändern, sind falsch. Häufig ist das Gegenteil ist der Fall: Hirnforschungen bestätigen bei Menschen, die unter mittleren bis starken psychischen Symptomen leiden (z. B. Depressionen, Psychosen, bipolaren Störungen), eine Hirnfunktionsstörung, die aber wieder gebessert oder gar geheilt werden können. Bei schweren Störungen schaffen Psychopharmaka erst die Voraussetzungen dafür, dass psychotherapeutische Methoden funktionieren.

In der Psychiatrie und Psychotherapie gibt es keine einfachen Lösungen.

In der Psychiatrie sind wir bescheiden geworden. Beispielsweise wirkt ein Antidepressiva in etwa 70% der Depressionen, das nächste ebenso, so dass manchmal verschiedene Antidepressiva getestet werden müssen, bis das wirksamste gefunden wird. Das liegt auch daran, dass wir noch lange nicht genau wissen, wie das Gehirn und die Psyche des Menschen funktionieren. Es gibt keine klare Grenze zwischen krank und gesund, zwischen depressiv und nicht depressiv. Als junger Psychiater lernte ich noch, dass bei einer Depression einfach nur die Hirnbotenstoffe (Serotonin, Noradrenalin oder Dopamin) aus dem Gleichgewicht geraten seien und Antidepressiva würden helfen, das Gleichgewicht wiederherzustellen. Heute wissen wir, dass es nicht so einfach ist. Man glaubte, dass das Hirn ähnlich funktioniere, wie z. B. die Schilddrüse: Wenn eine Unterfunktion der Schilddrüse besteht bringt man die Hormone wieder mit Hormontabletten ins Gleichgewicht. Das funktioniert wunderbar. Psychische Krankheiten verhalten sich aber anders. Unser Gehirn ist ein äusserst komplexer Informationsverarbeiter. Die Hirnbotenstoffe sind ein Teil dieser Maschinerie, aber sicher nicht das Grundproblem.